Christ

Ich bin Christ.

Ich will hier keine Definition, kein Traktat oder ähnliches platzieren, sondern einen Text, der mich über Jahre begleitet und immer mal wieder in Worten oder Buchstaben eine Veränderung – eine Entwicklung – erfährt, wiedergeben. In ihm ist ablesbar, was ich denke, was ich erfahre, was ich glaube, wie ich handeln möchte.

Auf die Spur gesetzt

Paulus und die Psalmisten, Ignatius von Loyola und Edith Stein sind meine Glaubensgenossen. Sie standen am Weg, als ich meine Glaubenshaltung fand und halten mich weiterhin. Bedächtig wandeln sie mit mir auf Gottes Spuren.

Mein theologisches Denken kapituliert vor der Aufgabe, Gott zu fassen. Denn, wie Sabine Naegeli schreibt: „Ich ahne, dass du kommen wirst, wenn ich ganz da bin.“ Ich werde dankbar. Was für eine Gnade. Und erfahre Gott. En poco – Stück für Stück. „In einem Spiegel, in einem dunklen Wort.“

Ausstrecken

Ich glaube an Gott, der sich einzig und allein aus Liebe selbst hineingibt in die Geschichte der Menschen. Auch in meine Geschichte. Der mich stützt und trägt. Der mir so oft Mut und Kraft gegeben hat und mich stets immer wieder zu sich geführt und geleitet hat.

Während ich diese Zeilen schreibe gehen mir viele Erlebnisse durch den Kopf – nicht alle waren angenehm, nicht alle positiv, aber alle „Magis“, Wachstum ermöglichend. Ereignisse, die mich prägen, die mich gestaltet haben. Meine Gotteserfahrungen. Unsterblich. „Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand.“

Ich bin ein Fan des Heiligen Geistes. Und wage die simple, aber nicht einfache Aussage: Gott wirkt.

Kreuzigungsgruppe, Kloster Gerleve

Position

Ich bin Christ. Jesus ist mir Vorbild, ihm folge ich nach, auf ihn hin richte ich mein Verlangen, von ihm möchte ich mich formen lassen zu dem Bild, das Gott von mir längst hat.

Jesus ist Träger einer Weisheit, die ihn als Sohn Gottes legitimiert: was er weiß und erkennt, wie er handelt und wirkt kann nur der Sohn dessen, der der Schöpfer aller Dinge ist. „Ich bin gekommen, dass sie das Leben in Fülle haben.“

Durch Jesus, den Christus, erkenne ich, dass die Wahrnehmung Gottes mitten in der Welt, die in den Sakramenten glaubhaft vermittelte Gegenwart Gottes, die Meditation, die Sinnlichkeit und die Aufmerksamkeit für andere Gotteskinder in eins fallen. Eine ganzheitliche Religion.

Für mich ist die römisch-katholische Weise, Kirche dieses Christus zu sein, die gute Art und Weise, Christ zu sein.

Ver(un)sicherung

Wie erklärt sich die Auferstehung oder die Himmelfahrt? Was hat es mit der Opfertheologie auf sich und was mit der Moral? – Für mich ist die wissenschaftliche, rationale Theologie nicht der Anstoß des Glaubens, aber ein Anstoß im Glauben. Es ist gut, sich, wenn es um den Himmel geht, zu erden. Sich argumentativ, im Gespräch mit anderen und vor der eigenen Vernunft wach zu halten. Theologie dient nicht der Rechtfertigung des Glaubens, soll ihn nicht beweisen, sondern kann – je ernster man sie nimmt – den Glauben frei machen. Weil Glaube dann nicht nur auf Zeugnis, sondern auch auf Überzeugung fusst. „Zieht an die Waffen des Lichts.“

La Catedral de la Santa Creu i Santa Eulàlia, Barcelona

Hans Urs von Balthasar, Romano Guardini, Hanns Dieter Hüsch und andere sind mir Denkpartner. Auch zeitgenössische Theologinnen und Kirchenentwicklerinnen machen wichtige Beobachtungen, wertvolle Analysen und entwickeln zukunftsorientierte Szenarien. Davon profitiere ich.

Auftrag

Ich will nicht schweigen, ich will aber auch nicht reden. Ich will andere im Glauben in Bewegung bringen – pro-moten. Und ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass die Kirche ein Ort der Glaubensbegegnung und -bildung sein kann. Deswegen bin ich in den pastoralen Dienst gegangen.

Ich will begleiten und stärken, will meine Mitmenschen anlächeln, erzählen und musizieren. Das soll mein Glaubenszeugnis sein.

Meine Fähigkeiten zu beraten, zu gestalten, zu planen und zu organisieren setze ich gerne für den Dienst am Ganzen ein „Die Liebe Christi, die wir erfahren haben, drängt uns.“

Ich stehe der Prozessspiritualität des hl. Ignatius von Loyola nahe. Sie gibt mir Stärkung und Wachstum im Christ-Sein. Nahrung sind mir die Feier der Eucharistie (in seiner schlichten, ursprünglichen Form), die Geistliche Lebensbegleitung in Einzelgespräch und Gruppe, die Schriftbetrachtung, die Feier der Versöhnung.

Ignatius von Loyola

Ab und an werde ich gefragt, im Bereich Pastoral, Kirchenentwicklung, Spiritualität etwas zu publizieren oder eine Veranstaltung zu (beg)leiten. Wer davon etwas wissen will, google einfach meinen Namen. Dann findet sich einiges davon.

Gebet eines Laien (Karl Rahner)

Gott, ich werde immer ein wenig nervös, wenn ich das Wort „Laie“ in der Kirche höre. Wenn sonst von Laien geredet wird, sind solche Leute gemeint, die von einer bestimmten Sache nichts oder sehr wenig verstehen.

Ich aber habe Recht und Pflichten, von der Botschaft Jesu und seinem Reich so viel wie nur möglich zu verstehen, und es ist nicht ausgemacht, daß das weniger sein müsse, als das, was die Inhaber priesterlicher Vollmacht in Erkenntnis und Tat davon besitzen.

Ich besitze bestimmte solche Vollmachten nicht, bestimmt nicht, und ich habe auch gar kein Verlangen danach; denn so sehr diese auch zu schätzen sein mögen, sie dienen nur der einen Aufgabe, die ich habe: radikal ein Christ zu sein, in dem der Geist Gottes wirkt und mein Leben in der Nachfolge Jesu auf Gott hin treibt. Die Amtsträger stehen darum in dem, worauf es allerletztlich ankommt, nicht über, sondern neben mir. Und die Gnade Gottes kommt nicht nur durch die sakramentalen Zeichen, die die Amtsträger verwalten, auf mich zu, sondern bleibt darüber hinaus in der freien Verfügung Gottes, der sie allen schenkt, die ihn darum bitten.

Ich weiß, heiliger Gott, daß meine Verantwortung für mein Christsein dadurch nur wächst. Ich muß Rechenschaft darüber geben, ob ich die Gaben und Charismen, durch die ich lebe, auch für die anderen genügend sich auswirken lassen. Ich muß nicht auf der Kanzel predigen, aber – was schwerer ist – durch mein Leben das Evangelium bezeugen. In einer Umgebung, die weder ausdrücklich das Christliche ablehnt, noch es wirklich liebt, fällt es mir Feigem schwer, am rechten Platz und zur rechten Zeit zu zeigen, wer ich bin; dazu zu stehen, daß man mit sich und seinem Leben letztlich doch nur fertig wird, wenn man es auf dich, o Gott, stellt und in deiner Gnade lebt.

Mutigere und unbefangenere Christen bezeugen mir, daß man – wenn man gewisse Barrieren überspringt – mit seinem Zeugnis befreiend bei anderen „ankommt“, wo zunächst alle Türen fest verschlossen schienen. Warum bin ich so ängstlich, so feige, wie ich mir ehrlich eingestehen muß? Wörter wie „missionarisch“, ,,apostolisch“ usw. haben heute einen so betulich altmodischen Geschmack. Aber die Sache selbst? Wenn sie fehlt, ist das nicht ein Anzeichen dafür, daß mein Laienchristentum selber dürftig und schwach ist?

Gott, gib mir Mut und Kraft, ein Laie zu werden, der den Namen eines Christen verdient.